Leben und Lernen in der Sekundarstufe II: eine komparative Studie zum (in-) formellen Lernen von Schülern in einer Regel- und einer Reformschule

Für die vorliegende Untersuchung wurden Schülerinnen und Schüler an zwei gymnasialen Oberstufen über einen Zeitraum von drei Jahren mehrfach befragt. Im Fokus stehen die inner- und außerschulischen Lernprozesse der Jugendlichen sowie die Gestaltungen des Verhältnisses von Schule und Lebenswelt,...

Ausführliche Beschreibung

Gespeichert in:
Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Grothues, Désirée (VerfasserIn)
Dokumenttyp: Book/Monograph Hochschulschrift
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: 2012
DOI:10.11588/heidok.00013172
Schlagworte:
Online-Zugang:Resolving-System, kostenfrei, Volltext: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:16-opus-131728
Resolving-System, Volltext: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:16-opus-131728
Langzeitarchivierung Nationalbibliothek, Volltext: http://d-nb.info/1179784103/34
Verlag, kostenfrei, Volltext: http://www.ub.uni-heidelberg.de/archiv/13172
Resolving-System, Unbekannt: https://doi.org/10.11588/heidok.00013172
Volltext
Verfasserangaben:von Désirée Grothues

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520 |a Für die vorliegende Untersuchung wurden Schülerinnen und Schüler an zwei gymnasialen Oberstufen über einen Zeitraum von drei Jahren mehrfach befragt. Im Fokus stehen die inner- und außerschulischen Lernprozesse der Jugendlichen sowie die Gestaltungen des Verhältnisses von Schule und Lebenswelt, die im interschulischen Vergleich kontrastiert werden. Neben Schülerinnen und Schülern einer Regelschule nehmen Lernende des Oberstufen-Kollegs Bielefeld an der Studie teil. Auf Basis der qualitativen Interviewstudie zeigt sich, dass sowohl die Befragten der Regel- als auch die Schülerinnen und Schüler der Reformschule außerhalb des institutionalisierten Bildungswesens zahlreiche Lernprozesse initiieren. Als besonders relevante Lernorte in der Freizeit kristallisieren sich die Handlungsfelder der Peers, der Partnerschaften, des Sports, des Nebenjobbens und der Medien heraus. Das Lernen in informellen Zusammenhängen erfolgt häufig nebenbei zur Bewältigung alltäglicher Handlungsproblematiken und wird als subjektiv sinnhaft erlebt. Im strukturierten Bildungsraum Schule lernen die Jugendlichen anders und Anderes: Hier werden sie mit neuen, alltagsfernen, wissenschaftspropädeutischen Inhalten konfrontiert, die in strukturierter Weise von speziell hierfür ausgebildeten Pädagogen vermittelt werden. Es zeichnet sich ab, dass die Befragten ihre Bildungsbiografien aus diesem Zusammenspiel unterschiedlicher Lernerfahrungen konstruieren, dass formales und informelles Lernen einander ergänzen und voneinander profitieren (können). Hinsichtlich des Verhältnisses von Schule und Lebenswelt ergeben sich deutliche Unterschiede zwischen den Regel- und den Reformschülerinnen und Schülern. Während die Regelschülerinnen und Schüler zur Trennung von Leben und Lernen tendieren, verschmelzen Inner- und Außerschulisches in der Gruppe der Kollegiatinnen und Kollegiaten des Oberstufen-Kollegs. Besonders deutlich wird der differente Umgang mit Schule und Lebenswelt auf der Inhaltsebene. Während schulische Themen den Regelschülerinnen und Schülern außerhalb des Unterrichts irrelevant erscheinen und gleichzeitig persönliche Interessen aus dem Unterricht ausgeklammert werden, beschäftigen sich die Lernenden des Oberstufen-Kollegs auch nach dem Pausenklingeln mit curricularen Inhalten und gestalten den Unterricht aktiv mit. Die Verflüssigung der Grenzen zwischen Schule und Leben, wie in der Gruppe der Kollegiatinnen und Kollegiaten zu betrachten, konvergiert mit der Konzeption dieser Einrichtung, die bewusst auf die Gestaltung der Schule als Lebensraum setzt. Analog zu weiteren Untersuchungen zur Schülerklientel an Reformschulen im Allgemeinen und am Oberstufen-Kolleg im Besonderen, lässt sich zudem eine selektive Schülerschaft attestieren: Trotz eines Aufnahmeschlüssels besuchen vor allem Jugendliche aus bildungsnahen Familien das Oberstufen-Kolleg. Weitere Abgrenzungsmerkmale zu anderen Schülergruppen sind auf der einen Seite die hohe Motivation zum und die starke Identifikation mit dem Besuch dieser Einrichtung. Auf der anderen Seite besitzen überdurchschnittlich viele Lernende fragmentierte Bildungsbiografien, berichten viele Jugendliche an dieser Einrichtung von negativen Schulerfahrungen. Aus diesem Zusammenspiel von alternativer Schulkonzeption und besonderer Schülerklientel entsteht eine Gestaltung von Schule, die konträr zu traditionellen Schulkonzepten steht. 
520 |a For this study sixth form pupils from two schools were interviewed repeatedly over a period of three years. The study focuses on the comparison of learning processes taking place inside and outside of school, as well as the relationship between school and leisure time. One group of pupils is from a traditional school and the other group is from the alternative school project ‘Oberstufen-Kolleg’ in Bielefeld. On the basis of qualitative interviews it becomes apparent that both groups of pupils initiate extra-curricular learning processes. Peer group interaction, romantic relationships, sports, part-time work and media consumption have been identified as the most important areas of learning outside school. Informal learning is often a side-effect of solving problems in everyday life and is often subjectively perceived as meaningful. In school, being a place for institutionalized learning, the young adults learn different things in a different way. They are confronted with new, scientific propaedeutical contents that are conveyed in a structured manner by specially trained teachers. It becomes evident that the participants’ education is developed from different learning experiences and that formal and informal learning (can) benefit from each other. With regard to the relationship between living and learning, one can see differences between pupils from the traditional school and the alternative school project. The pupils from the traditional school separate learning and life, whereas the pupils from the alternative school project combine the two. Especially apparent, in the case of pupils from the traditional school, is the exclusion of curricular contents outside school and personal interests in class, whereas the pupils from the alternative school project behave in the exact opposite manner. This observed blending in of school and life fits in with the concept of the alternative school project which intends to establish school as a part of a living environment. One has to bear in mind that the pupils in alternative school projects, in general, and at the ‘Oberstufen-Kolleg’, in particular, are a selected group. Although entrance criteria exist, especially pupils from better educated families attend the Oberstufen-Kolleg. Other characteristics are the high motivation and the strong identification of pupils with the institution. However, pupils with fragmented learning biographies, who have reported negative experiences in previous schooling systems, are higher in number than is usual in a school average. Due to this combination of an alternative school concept with its special group of pupils, a school form is created, which is contrary to a traditional school concept. 
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