Turgorine, Hormone der endogenen Tagesrhythmik höher organisierter Pflanzen: Nachweis, Isolierung, Strukturaufklärung, Synthese und Wirkung : Professor Adolf Butenandt zum 80. Geburtstag gewidmet

Die auffallendste Lebenserscheinung ist die Bewegung, die man auch bei höher organisierten Pflanzen eindrucksvoll wahrnimmt, wenn durch eine Art „Flucht aus dem Raum”︁ z. B. die Sinnpflanze nach Berührung plötzlich „verschwindet”︁, oder wenn alle Fiederblättchen einer Akazie abends sich paarweis...

Ausführliche Beschreibung

Gespeichert in:
Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Schildknecht, Hermann (VerfasserIn)
Dokumenttyp: Article (Journal) Festschrift
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: September 1983
In: Angewandte Chemie
Year: 1983, Jahrgang: 95, Heft: 9, Pages: 689-705
ISSN:1521-3757
DOI:10.1002/ange.19830950905
Schlagworte:
Online-Zugang:Verlag, lizenzpflichtig, Volltext: https://doi.org/10.1002/ange.19830950905
Verlag, lizenzpflichtig, Volltext: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/ange.19830950905
Volltext
Verfasserangaben:von Hermann Schildknecht
Beschreibung
Zusammenfassung:Die auffallendste Lebenserscheinung ist die Bewegung, die man auch bei höher organisierten Pflanzen eindrucksvoll wahrnimmt, wenn durch eine Art „Flucht aus dem Raum”︁ z. B. die Sinnpflanze nach Berührung plötzlich „verschwindet”︁, oder wenn alle Fiederblättchen einer Akazie abends sich paarweise so zusammenlegen, als würde der Baum „schlafen”︁. Muskeln für die Lageänderung ihrer Organe im Raum haben diese Pflanzen nicht. Anstelle der Kontraktion eines „primitiv”︁ gebliebenen Actomyosinsystems wird bei dieser Bewegungsmechanik der hydrostatische Innendruck der Zellsaftvakuolen — der Turgor — in den Parenchymzellen der Bewegungsorgane oft drastisch und einseitig verringert. Kurzfristig und manchmal plötzlich ändert sich nach der Perception eines äußeren Reizes die Semipermeabilität der Plasmagrenzschichten und, vermittelt durch eine Reizleitung, auch des ganzen Symplasten eines vielzelligen pflanzlichen Organismus. Die Phytohormone, welche die molekulare Basis der hier diskutierten Bewegungsphysiologie bilden, sind isoliert und strukturell aufgeklärt worden. Diese als Turgorine bezeichneten chemischen Agonisten der Phytodynamik lösen die Blattbewegungen aus; darüber hinaus steuern sie sehr wahrscheinlich auch, eventuell gemeinsam mit anderen Phytohormonen, die stomatäre Transpiration über den Mechanismus der Spaltöffnungen. Somit ermöglichen die Turgorine nicht nur eine Temperaturregulierung, sondern sogar ihren eigenen Transport im Saftstrom des Pflanzenkörpers.
Beschreibung:Gesehen am 09.08.2021
Beschreibung:Online Resource
ISSN:1521-3757
DOI:10.1002/ange.19830950905