Eine interdisziplinäre Betrachtung von "Ganzheitlichkeit" in Komplementär- und Alternativmedizin

Komplementäre und alternative Medizinverfahren werden häufig mit dem Begriff der „Ganzheitlichkeit“ unter Einbindung von „Körper, Geist und Seele“ angeboten und rezipiert. Dieses Konzept, das im vorliegenden Beitrag im Zentrum steht, wird oft nicht nur als Abgrenzung zur Schulmedizin herangezogen...

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Bibliographic Details
Main Author: Dollmann, Jürgen (Author)
Format: Article (Journal) Book/Monograph
Language:German
Published: Berlin Dietrich Reimer Verlag 2022
Heidelberg Universitätsbibliothek Heidelberg 2022
DOI:10.11588/heidok.00033416
Online Access:Resolving-System, kostenfrei: https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:16-heidok-334163
Resolving-System, kostenfrei: http://dx.doi.org/10.11588/heidok.00033416
Verlag, kostenfrei, Volltext: http://www.ub.uni-heidelberg.de/archiv/33416
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Author Notes:Jürgen W. Dollmann
Description
Summary:Komplementäre und alternative Medizinverfahren werden häufig mit dem Begriff der „Ganzheitlichkeit“ unter Einbindung von „Körper, Geist und Seele“ angeboten und rezipiert. Dieses Konzept, das im vorliegenden Beitrag im Zentrum steht, wird oft nicht nur als Abgrenzung zur Schulmedizin herangezogen, sondern häufig auch mit spirituellen Aspekten verbunden. Ein Grund dafür kann darin gesehen werden, dass viele komplementär- und alternativmedizinische Ver fahren wie beispielsweise Ayurveda und Traditionelle Chinesische Medizin aus dem süd- bzw. ostasiatischen Bereich stammen und zum Teil aus religiösen bzw. philosophischen Traditionen abgeleitet werden. Der Autor, selbst Internist und Kulturwissenschaftler, führt historische und kulturwissenschaftliche Aspekte der „Ganzheitlichkeit“ mit kognitions- und neurowissenschaftlichen Erkenntnissen zusammen. Eigene Feldforschungsergebnisse im Bereich des Ayurveda werden exemplarisch angeführt. Zur Integration dieser interdisziplinären Betrachtung dienen sogenannte Embodiment- oder Verkörperungstheorien, mit welchen die sinnliche Erfahrung von Akteurinnen und Akteuren im Untersuchungsfeld analysiert werden können. Der Ganzheitsbegriff kann aus dieser Perspektive als anschlussfähig an die spirituellen Aspekte der komplementär- und alternativmedizinischen Verfahren gesehen werden. Im Zentrum dieses Textes steht die Frage, wie und warum von Seiten der Patientinnen und Patienten eine „Ganzheit“ erfahren und sinnlich erlebt werden kann. Die Frage nach der Wirksamkeit dieser Medizinverfahren wird nicht berührt. Die Positionalität des Verfassers ist explizit interdisziplinär und multiperspektivisch, wodurch angestrebt werden soll, blinde Flecken der verschiedenen Medizinverfahren aufzudecken. Die hier vorgenommene Methodentriangulation kann zu Ambiguitäten führen, die jedoch als Diskussionsanregung zwischen kultur- und naturwissenschaftlichen Perspektiven verstanden werden sollen. In einem Resümee werden Anregungen gegeben, die helfen könnten, dem wechselseitigen usgrenzungsdiskurs der unterschiedlichen Heilsysteme entgegenzuwirken. Das Ziel ist die weitere Förderung einer Integrativen Medizin.
Item Description:In: Curare, 45 (2022), Nr. 2. pp. 55-68. ISSN 0344-8622 (Druckausg.)
Physical Description:Online Resource
DOI:10.11588/heidok.00033416