Mentalisieren in der Psychotherapie
Mentalisieren beschreibt die Fähigkeit, mentale Zustände wie Gefühle, Gedanken und Bedürfnisse, die dem eigenen Verhalten und dem Verhalten anderer zugrunde liegen, wahrzunehmen und zu verstehen (Fonagy et al., 2002). Effektives Mentalisieren kann definiert werden als die Herstellung einer neuen...
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| Main Author: | |
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| Format: | Book/Monograph Thesis |
| Language: | German |
| Published: |
Heidelberg
18 Nov. 2024
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| DOI: | 10.11588/heidok.00035559 |
| Subjects: | |
| Online Access: | Resolving-System, kostenfrei: https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:16-heidok-355597 Resolving-System, kostenfrei: https://doi.org/10.11588/heidok.00035559 Verlag, kostenfrei, Volltext: http://www.ub.uni-heidelberg.de/archiv/35559 Resolving-System, kostenfrei: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:16-heidok-355597 Langzeitarchivierung Nationalbibliothek, kostenfrei: https://d-nb.info/1348688289/34 |
| Author Notes: | vorgelegt von Lea Amelie Kasper ; Betreuer/in: Prof. Dr. Svenja Taubner [und ein weiterer Betreuer] |
| Summary: | Mentalisieren beschreibt die Fähigkeit, mentale Zustände wie Gefühle, Gedanken und Bedürfnisse, die dem eigenen Verhalten und dem Verhalten anderer zugrunde liegen, wahrzunehmen und zu verstehen (Fonagy et al., 2002). Effektives Mentalisieren kann definiert werden als die Herstellung einer neuen, bedeutungsvollen Verbindung zwischen Kognition und Affekt, die die intrapsychische Funktionsweise verändert und dadurch neues Verhalten ermöglicht. In Psychotherapien wird Mentalisierung als potenzieller Wirkmechanismus diskutiert. Jedoch ist unklar, wie Mentalisieren sich über den Therapieverlauf hinweg entwickelt und wie es durch therapeutische Interventionen gezielt beeinflusst werden kann. Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es daher, mit Hilfe von insgesamt fünf empirischen Studien, modellhaft die Veränderung von Mentalisieren in der Psychotherapie im Rahmen eines Phasenmodells darzustellen, die Wichtigkeit der Differenzierung in die Dimensionspole Selbst und Andere herauszustellen und Implikationen für therapeutische Interventionen abzuleiten. Außerdem ist es ein Ziel dieser Arbeit einen Fragebogen zur Erfassung der Mentalisierung von Emotionen bezogen auf das Selbst und andere zu entwickeln und zu validieren, der zukünftig für die Prozessforschung eingesetzt werden kann. In den Studien 1 und 2 wurde im Rahmen von Fallstudien untersucht, inwieweit therapeutische Interventionen zur Förderung des Mentalisierens von Patient:innen beitragen können. In Studie 1 wurden zwanzig Sitzungen einer erfolgreichen mentalisierungsbasierten Langzeittherapie mit einer Patientin mit Borderline Persönlichkeitsstörung analysiert. Die Mentalisierung der Patientin innerhalb der Therapiesitzungen wurden anhand der Reflective Functioning Skala (RF Skala) bewertet und anhand von Zeitreihenanalysen ausgewertet. Es konnte eine signifikante Steigerung des Mentalisierens über den Therapieverlauf festgestellt werden. Außerdem wurden in den Aussagen der Therapeutin Mentalisierungsfördernde Fragen kodiert. Hier konnte anhand von Modellen mit verteilten Verzögerungen gezeigt werden, dass Mentalisierungsfördernde Fragen als therapeutische Intervention über den gesamten Therapieverlauf zu einer signifikanten Steigerung des Mentalisierens führten. In Studie 2 wurde darauf aufbauend in einer Fallstudie mit drei Adoleszenten, die eine Störung des Sozialverhaltens aufwiesen, der Einfluss therapeutischer Interventionen auf das Mentalisieren der Patienten über den Therapieverlauf explorativ untersucht. Hierfür wurden je Patient fünf Therapiesitzungen analysiert. Dabei wurde jede Aussage der Adoleszenten hinsichtlich des Mentalisierens mit der RF Skala bewertet und für jede Aussage der Therapeutin mindestens eine therapeutische Intervention kodiert sowie einem Interventionslevel zugeordnet. Die Analyse erfolgte deskriptiv und mit Hilfe exakter Fisher-Tests auf Basis von Monte-Carlo Simulationen. Die folgenden Interventionslevel haben sich dabei fördernd auf das effektive Mentalisieren der Patienten ausgewirkt: Supportiv & Emphatisch, Basismentalisierung & Affektmodus und Mentalisierung der Beziehung. Im Rahmen einer detaillierten Auswertung einzelner Interventionen haben sich die folgenden Interventionen als relevant für die Förderung des Mentalisierens herausgestellt: Mentalisierungsfördernde Fragen, Affektelaboration, empathische Validierung, Challenge, Themenwechsel, Patienten-Therapeuten Beziehung und Mentalisieren für den Patienten. Bemerkenswert war, dass sich die Interventionslevel und Interventionen im Zusammenhang mit effektivem Mentalisieren zwischen den Patienten unterschieden. Mögliche patientenspezifische Faktoren wie Arousal und Prämentalisieurngsmodi wurden diskutiert. Studie 3 widmet sich der Unterscheidung von Mentalisieren in die Dimensionspole Selbst und Andere. Dabei wurde die Entwicklung des Mentalisierens von Müttern innerhalb elf fokussierter Säuglings-Kleinkind-Eltern Psychotherapien jeweils bestehend aus 4 Sitzungen mit Hilfe von kumulativen ordinalen Regressionsmodellen untersucht. Zur Untersuchung der Entwicklung von Mentalisieren über die Therapie hinweg wurden die Aussagen der Mütter mithilfe der RF Skala bewertet. Außerdem wurde jede Aussage der Mütter anhand eines neu entwickelten Ratingsystems kodiert, wobei zwischen Mentalisieren bezogen auf das Selbst und Mentalisieren bezogen auf das Kind unterschieden wurde. Zu Beginn der Sitzungen war Mentalisieren bezogen auf das Kind signifikant niedriger als Mentalisieren bezogen auf das Selbst, jedoch nahm Mentalisieren bezogen auf das Kind über die Sitzung hinweg signifikant stärker zu. Insgesamt erhöhte sich das Mentalisieren signifikant innerhalb der vier Sitzungen. Die Ergebnisse von Studie 3 verdeutlichen die Wichtigkeit der Unterscheidung in Mentalisieren des Selbst und anderer, hier das eigene Kind, für die ganzheitliche Betrachtung des Mentalisierens. Studie 4 betrifft die Entwicklung eines transdiagnostischen und verfahrensübergreifenden Phasenmodells zur Beschreibung der Veränderung von Mentalisieren in der Psychotherapie. Im Rahmen einer Metasynthese wurden 20 publizierte Fallstudien analysiert und thematisch synthetisiert. Das Phasenmodell umfasst drei Phasen: (1) Erleben des Selbst in einer sicheren Beziehung, (2) Mentalisieren des Selbst und (3) Mentalisieren von Anderen. Über alle Phasen hinweg sind die therapeutische Beziehung und die therapeutische Zone der proximalen Entwicklung von Bedeutung, die einen mentalisierungsförderlichen Raum zur effektiven Entwicklung des Mentalisierens der Patient:innen beschreibt. In der therapeutischen Zone der proximalen Entwicklung wird eine Differenzierung der Entwicklungsschritte vorgenommen, die die Patient:innen alleine und mit Hilfe der Therapeut:innen erreichen können. Studie 5 befasst sich mit der Entwicklung und Validierung eines Fragebogens (Mentalizing Emotions Questionnaire (MEQ)) zur Erfassung der Mentalisierungsfähigkeit im Hinblick auf Emotionen bezogen auf das Selbst und andere. Der MEQ beinhaltet in der validierten Fassung 16 Items und die drei Subskalen „Selbst“, „Kommunikation“ und „Andere“. Zur Validierung des neu entwickelten Fragebogens wurden zwei Stichproben (jeweils N > 500) erhoben und eine Exploratorische und Konfirmatorische Faktorenanalyse durchgeführt. Der MEQ erzielte im Hinblick auf Mentalisierung von Emotionen mit der Unterscheidung Selbst, Kommunikation und Andere akzeptable bis sehr gute psychometrische Werte mit einer klaren und theoretischen Faktorstruktur und einer sehr hohen internalen Konsistenz sowie guter Konstruktvalidität. Mentalizing describes the ability to perceive and understand mental states—such as feelings, thoughts, and needs—that underlie one's own behavior and the behavior of others (Fonagy et al., 2002). Effective mentalizing can be defined as the creation of a new, meaningful connection between cognition and affect that alters intrapsychic functioning, thereby enabling new behavior. In psychotherapy, mentalizing is discussed as a potential mechanism of change. However, it remains unclear how mentalizing develops over the course of therapy and how it can be specifically influenced by therapeutic interventions. Therefore, the aim of this work is to use a total of five empirical studies to model changes in mentalizing during psychotherapy within a phase-based framework, to highlight the importance of differentiating between the dimensions of "self" and "other," and to derive implications for therapeutic interventions. Additionally, this work aims to develop and validate a questionnaire for assessing the mentalizing of emotions regarding the self and others, which can be used for future process research. Studies 1 and 2 employed case studies to investigate the extent to which therapeutic interventions can foster mentalizing in patients. In Study 1, twenty sessions of a successful mentalization-based long-term therapy with a patient diagnosed with Borderline Personality Disorder were analyzed. The patient's mentalizing within the therapy sessions was rated using the Reflective Functioning Scale (RF Scale) and evaluated via time-series analysis. A significant increase in mentalizing was observed over the course of therapy. Furthermore, questions promoting mentalizing were coded within the therapist's statements. Using distributed-lag models, it was demonstrated that mentalization-promoting questions, as a therapeutic intervention, led to a significant increase in mentalizing throughout the course of therapy. Building on this, Study 2 employed a case study design involving three adolescents with conduct disorder to exploratively examine the influence of therapeutic interventions on the patients' mentalizing abilities throughout the course of therapy. Five therapy sessions per patient were analyzed. Each statement made by the adolescents was rated for mentalizing using the RF scale, while at least one therapeutic intervention was coded and assigned to an intervention level for each of the therapist's statements. The analysis was descriptive and utilized Fisher's exact tests based on Monte Carlo simulations. The following intervention levels were found to foster effective mentalizing in the patients: Supportive & Empathic, Basic Mentalizing & Affect Mode, and Mentalizing the Relationship. A detailed evaluation of specific interventions identified the following as relevant for promoting mentalizing: mentalizing-promoting questions, affect elaboration, empathic validation, challenge, topic shifting, the patient-therapist relationship, and mentalizing for the patient. Notably, the intervention levels and specific interventions associated with effective mentalizing varied among the patients. Possible patient-specific factors, such as arousal and pre-mentalizing modes, were discussed. Study 3 focuses on distinguishing between the two poles of mentalizing: the self and the other. It examined the development of mothers' mentalizing across eleven focused infant-toddler-parent psychotherapy interventions—each consisting of four sessions—using cumulative ordinal regression models. To track the development of mentalizing throughout the therapy, mothers' statements were assessed using the Reflective Functioning (RF) scale. Additionally, each statement was coded using a newly developed rating system that distinguished between mentalizing regarding the self and mentalizing regarding the child. At the start of the sessions, mentalizing regarding the child was significantly lower than mentalizing regarding the self; however, mentalizing regarding the child showed a significantly greater increase over the course of the sessions. Overall, mentalizing increased significantly across the four sessions. The results of Study 3 highlight the importance of distinguishing between mentalizing the self and mentalizing others (in this case, one's own child) for a holistic understanding of mentalizing. Study 4 addresses the development of a transdiagnostic, integrative phase model to describe changes in mentalizing during psychotherapy. Twenty published case studies were analyzed and thematically synthesized as part of a meta-synthesis. The phase model comprises three stages: (1) experiencing the self within a secure relationship, (2) mentalizing the self, and (3) mentalizing others. The therapeutic relationship and the "therapeutic zone of proximal development"—which describes a space conducive to the effective development of patients' mentalizing—are significant across all phases. Within the therapeutic zone of proximal development, a distinction is made between developmental steps that patients can achieve independently and those they can achieve with the therapist's assistance. Study 5 addresses the development and validation of a questionnaire—the Mentalizing Emotions Questionnaire (MEQ)—designed to assess the capacity to mentalize emotions regarding the self and others. In its validated version, the MEQ comprises 16 items and three subscales: "Self," "Communication," and "Others." To validate the newly developed questionnaire, data were collected from two samples (each with N > 500), and both exploratory and confirmatory factor analyses were conducted. Regarding the mentalization of emotions—distinguishing between self, communication, and others—the MEQ demonstrated acceptable to very good psychometric properties, featuring a clear, theoretically grounded factor structure, very high internal consistency, and good construct validity. [Mit KI übersetzt] |
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| Item Description: | Publikationsbasierte Dissertation bestehend aus einem Text und 5 Zeitschriftenaufsätzen |
| Physical Description: | Online Resource |
| DOI: | 10.11588/heidok.00035559 |