Gezielter Einsatz von Prähabilitation: Zielgruppe und Zeitpunkt$dLeitthema

Chirurgische Eingriffe gehen für Patienten mit einer erheblichen körperlichen wie auch psychischen Belastung einher. Besonders trifft dies auf komplexe viszeralchirurgische Eingriffe zu, die mit einem deutlich höheren perioperativen Risiko verbunden sind. Das Konzept der Prähabilitation verfolgt...

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Bibliographic Details
Main Authors: Halawa, Mahmoud (Author) , El-Ahmar, Mohamad (Author) , Martignoni, Marc (Author) , Reißfelder, Christoph (Author)
Format: Article (Journal)
Language:German
Published: 06 January 2026
In: Die Onkologie
Year: 2026, Pages: 1-6
ISSN:2731-7234
DOI:10.1007/s00761-025-01892-0
Online Access:Verlag, lizenzpflichtig, Volltext: https://doi.org/10.1007/s00761-025-01892-0
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Author Notes:Mahmoud Halawa, Mohamed El-Ahmar, Marc Martignoni, Christoph Reißfelder
Description
Summary:Chirurgische Eingriffe gehen für Patienten mit einer erheblichen körperlichen wie auch psychischen Belastung einher. Besonders trifft dies auf komplexe viszeralchirurgische Eingriffe zu, die mit einem deutlich höheren perioperativen Risiko verbunden sind. Das Konzept der Prähabilitation verfolgt daher das Ziel, Patienten bereits in der präoperativen Phase durch gezielte Interventionen, wie etwa körperliches Training, Ernährungsoptimierung und hämatologisches Management, zu stärken. Dadurch sollen die funktionellen Ressourcen erweitert, der postoperative Genesungsprozess strukturiert und die Rekonvaleszenz erleichtert werden. Randomisierte kontrollierte Studien und Metaanalysen liefern eine konsistente evidenzbasierte Grundlage dafür, dass intensivierte Prähabilitationsprogramme die postoperative Morbidität und die Krankenhausverweildauer reduzieren können. Der positive Effekt ist jedoch nicht bei allen Patienten gleichermaßen ausgeprägt: Während körperlich sehr leistungsfähige Personen wahrscheinlich nur begrenzt profitieren, zeigt sich insbesondere bei Patienten mit reduziertem Allgemeinzustand, etwa bei eingeschränkter Leistungsfähigkeit, Mangelernährung oder Anämie, ein deutlicher Vorteil. Hieraus ergibt sich die besondere Bedeutung einer gezielten Patientenselektion sowie der Frage nach dem optimalen Zeitpunkt der Intervention. Zudem kommt die Prähabilitation nicht nur onkologischen, sondern auch nichtonkologischen Patienten zugute, sodass ein breites Kollektiv von diesem Konzept profitieren kann. Die aktuelle Evidenz belegt darüber hinaus, dass eine präoperative Prähabilitationsphase von etwa 4 Wochen i. d. R. ohne negativen Einfluss auf das onkologische Outcome möglich ist. Trotz der insgesamt vielversprechenden Daten wird die Qualität der Evidenz in den Metaanalysen aufgrund der erheblichen methodischen und inhaltlichen Heterogenität der eingeschlossenen Studien weiterhin als begrenzt valide und nur von moderater Aussagekraft eingestuft. Diese Heterogenität betrifft sowohl Patientenkollektive, Interventionen und Endpunkte als auch die stark variierende Compliance. Entsprechend erklärt sich, warum die Umsetzung prähabilitativer Konzepte in Deutschland bislang nur schleppend voranschreitet. Insbesondere das Fehlen klarer Vergütungsmodelle, limitierte personelle und infrastrukturelle Ressourcen sowie Mangel an strukturellen Anreizen stellen wesentliche Hindernisse dar.
Item Description:Gesehen am 05.02.2026
Physical Description:Online Resource
ISSN:2731-7234
DOI:10.1007/s00761-025-01892-0