Gesundheitsökonomie der Krebsfrüherkennung in Deutschland: welche Interventionen sind kosteneffektiv bei bevölkerungsweiter Umsetzung?

Nur ein geringer Teil der Gesundheitsausgaben in Deutschland wird für Prävention und Früherkennung aufgewendet. Das Rationale von Früherkennungsmaßnahmen ist es, (noch) symptomlose Personen mit dem Vor- oder Frühstadium einer Erkrankung zu identifizieren, um die krankheitsspezifische Morbiditä...

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Main Authors: Schlander, Michael (Author) , Cheng, Chih-Yuan (Author) , Ran, Tao (Author)
Format: Article (Journal)
Language:German
Published: 2018
In: Bundesgesundheitsblatt, Gesundheitsforschung, Gesundheitsschutz
Year: 2018, Volume: 61, Issue: 12, Pages: 1559-1568
ISSN:1437-1588
DOI:10.1007/s00103-018-2839-3
Online Access:Verlag, lizenzpflichtig, Volltext: https://doi.org/10.1007/s00103-018-2839-3
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Author Notes:Michael Schlander, Chih-Yuan Cheng, Tao Ran
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Summary:Nur ein geringer Teil der Gesundheitsausgaben in Deutschland wird für Prävention und Früherkennung aufgewendet. Das Rationale von Früherkennungsmaßnahmen ist es, (noch) symptomlose Personen mit dem Vor- oder Frühstadium einer Erkrankung zu identifizieren, um die krankheitsspezifische Morbidität und Mortalität zu reduzieren. Zu den anerkannten Evaluationskriterien für Früherkennungsmaßnahmen gehört deren Wirtschaftlichkeit, wofür unter anderem die zusätzlichen Kosten pro zusätzlich entdecktem Fall und pro verhindertem Ereignis sowie eine „Kosten-Nutzen-Abwägung“ herangezogen werden sollen. Hierfür kann auf Kosteneffektivitätsanalysen zurückgegriffen werden, welche auf marginalen oder inkrementalen Vergleichen einer Maßnahme mit ihrer (nächstbesten oder derzeit gebräuchlichen) Alternative beruhen. Sie können wichtige, zum Teil kontraintuitive Einsichten liefern, benötigen aber einen begründbaren Schwellenwert zur Abgrenzung nichtkosteneffektiver Maßnahmen und eine Ergänzung durch weitergehende Analysen, etwa der notwendigen Infrastruktur oder der budgetären Auswirkungen der Implementierung eines Programms. Auch (aber nicht nur) wegen der meist langen Zeit zwischen einer Früherkennungsmaßnahme und deren Konsequenzen bedarf deren ökonomische Evaluation regelmäßig der Anwendung von Simulationsmodellen. Bezogen auf Krebsfrüherkennungsprogramme weisen die vorliegenden Modellierungen auf ein sehr gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis (KNV) von Tests auf okkultes Blut und von Koloskopien zur Früherkennung von Darmkrebs und auf ein günstiges KNV des Mammographiescreenings hin, während die Low Dose-Computertomographie zur Früherkennung von Lungenkrebs noch nicht hinreichend belegt ist und der PSA-Test beim Prostatakarzinom aus gesundheitsökonomischer Sicht keine Unterstützung erfährt.
Item Description:Gesehen am 18.03.2020
Physical Description:Online Resource
ISSN:1437-1588
DOI:10.1007/s00103-018-2839-3