Zum Verhältnis von Differenzierungs- und Ungleichheitstheorie auf globaler Ebene

Die Ungleichheitssoziologie hat in den letzten drei Jahrzehnten ihr diagnostisches und prognostisches Potenzial für umfassendere makrosoziale Entwicklungen eingebüßt. Das lässt sich etwa ablesen an den in dieser Zeit auf den Theorienmarkt geworfenen Etikettierungen, mit denen man schlagwortartig...

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Main Author: Schwinn, Thomas (Author)
Format: Chapter/Article Conference Paper
Language:German
Published: 2011
In: Soziale Differenzierung
Year: 2011, Pages: 399-419
DOI:10.1007/978-3-531-93143-2_18
Online Access:Verlag, lizenzpflichtig, Volltext: https://doi.org/10.1007/978-3-531-93143-2_18
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Author Notes:Thomas Schwinn
Description
Summary:Die Ungleichheitssoziologie hat in den letzten drei Jahrzehnten ihr diagnostisches und prognostisches Potenzial für umfassendere makrosoziale Entwicklungen eingebüßt. Das lässt sich etwa ablesen an den in dieser Zeit auf den Theorienmarkt geworfenen Etikettierungen, mit denen man schlagwortartig zentrale Aspekte heutiger Gesellschaften zu charakterisieren versucht: Risikogesellschaft, Wissensgesellschaft, Mediengesellschaft, Weltgesellschaft, zweite Moderne, multiple Moderne etc. Bei aller Vorsicht und Zurückhaltung, die bei solchen Schlagworten angebracht sind, fällt jedoch auf, dass keines aus der Ungleichheitsdiskussion selbst stammt bzw. dass sie sich von dieser bewusst absetzten, wie etwa die Individualisierungsthese oder die Erlebnisgesellschaft. Ulrich Beck scheint dies 1983 mit dem Titel seines Aufsatzes „Jenseits von Klasse und Stand?“ weitsichtig registriert zu haben. Freilich hatte er den Titel mit einem Fragezeichen versehen, und das Gros der Ungleichheitsliteratur und -diskussion beschäftigt sich seither damit, wie diese Frage zu beantworten sei. Dabei ist eine methodisch versierte Sozialstrukturforschung entstanden, die uns sehr gute Einblicke in und Erklärungen für vielfältige Aspekte der Reproduktion sozialer Ungleichheit bietet. Zugleich ist aber der Anschluss an gesellschaftstheoretische Fragestellungen verloren gegangen. Und so kommt die kritische Einschätzung von Ungleichheitsforschern selbst, kaum noch etwas Grundlegendes zum Verständnis gegenwärtiger entwickelter Gesellschaften beizutragen (Mayer 1987: 376; Müller 1992: 48; Geißler 1996; Müller 1997: 39; Berger 2004: 360).
Item Description:Gesehen am 03.08.2023
Physical Description:Online Resource
ISBN:9783531931432
DOI:10.1007/978-3-531-93143-2_18