Ehrenamtliche Helfer*innen in der Versorgung von Geflüchteten: Situation, Motivation, Barrieren und Koordination
Seit dem Jahr 2015, als eine große Zahl an geflüchteten Menschen nach Deutschland kam, ist die Bedeutung des Ehrenamts bei der Unterstützung für Geflüchtete zunehmend gestiegen. In vielen Bereichen ist die ehrenamtliche Tätigkeit zu einem zentralen Bestandteil bei der Versorgung, Betreuung und...
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| Main Author: | |
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| Format: | Book/Monograph Thesis |
| Language: | German |
| Published: |
Heidelberg
16 Mai 2024
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| DOI: | 10.11588/heidok.00034622 |
| Subjects: | |
| Online Access: | Resolving-System, kostenfrei: https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:16-heidok-346221 Resolving-System, kostenfrei: http://dx.doi.org/10.11588/heidok.00034622 Verlag, kostenfrei, Volltext: http://www.ub.uni-heidelberg.de/archiv/34622 Resolving-System, kostenfrei: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:16-heidok-346221 Langzeitarchivierung Nationalbibliothek, kostenfrei: https://d-nb.info/1329747585/34 |
| Author Notes: | vorgelegt von Jan Lauter, Doktorvater: Prof. (apl.) Dr. med. Christoph Nikendei, MME |
| Summary: | Seit dem Jahr 2015, als eine große Zahl an geflüchteten Menschen nach Deutschland kam, ist die Bedeutung des Ehrenamts bei der Unterstützung für Geflüchtete zunehmend gestiegen. In vielen Bereichen ist die ehrenamtliche Tätigkeit zu einem zentralen Bestandteil bei der Versorgung, Betreuung und Integration geworden. Das Ehrenamt hat weder eine zentrale Organisationsstruktur noch eine feste Bindung an öffentliche Stellen, und dennoch ist die Vernetzung von Ehrenamt und Öffentlichen Strukturen ein zentraler Knotenpunkt für eine gelingende Versorgung der Geflüchteten einerseits sowie der Resilienz und psychischen Gesundheit der Ehrenamtlichen anderseits. Der Notwendigkeit funktionierender Netzwerkstrukturen mit ihren sozialen Faktoren wie Kommunikation, Transparenz und Vertrauen stehen Gefahren, die die Netzwerkstrukturen gefährden, im Sinne von psychischer Belastung und sekundärer Traumatisierung bei der Arbeit mit Geflüchteten entgegen. Nicht zuletzt hat die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Beschränkungen die Arbeit der Ehrenamtlichen zusätzlich erschwert. Bislang unbekannt sind die Besonderheiten bei der Koordination und Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamt im Bereich der Hilfe für Geflüchtete und der damit in Verbindung stehenden Belastungen durch die ehrenamtliche Arbeit mit Geflüchteten. Ziel dieser Untersuchung war es daher, Faktoren für eine gelingende Koordination und Kooperation zwischen hauptamtlich und ehrenamtlich Tätigen herauszuarbeiten. In einem ersten Teilprojekt wurde anhand einer Datenrecherche zur Gründung von Vereinen, die sich für der Hilfe für Geflüchteten in Deutschland einsetzen, ein Indikator untersucht, der den Zuwachs ehrenamtlicher Hilfe für Geflüchtete belegt und in einer bundeweiten Landkarte aufzeigt, wo ehrenamtliche Hilfe besteht und welche Form von Hilfe geleistet wird. Bundesweit konnten N = 909 Vereine ausfindig gemacht werden, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren. 35 % dieser Vereine wurden seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien (2011) geründet. Gemessen am Anteil der Bevölkerung, gibt es in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen die meisten Vereine mit dem Fokus auf akute Hilfe für geflüchtete Menschen. In den westdeutschen Bundesländern liegt die Dichte der Vereine höher als der Bundesdurchschnitt, in den ostdeutschen Ländern sowie Bayern deutlich niedriger. Etwa jeder fünfte Verein bietet konkrete praktische Hilfe wie „Behördengänge“ oder „Sprachkurse“ an, ebenfalls 22,2% leisten indirekte Hilfe wie z.B. „Spendensammeln“ oder „Hilfe vermitteln“ und 11,7% bieten soziale Kontakte im Sinne von „Integration durch Begegnung“ an. Konkrete medizinische oder psychosoziale Hilfe – etwa für traumatisierte Flüchtlingen – wird nur von 5,9% der Vereine zur Verfügung gestellt. Durch das zweite Teilprojekt wurde untersucht, wie sich die Sicht von hauptamtlich Tätigen auf die Koordination und Kooperation mit ehrenamtlichen Helfer*innen darstellt. Die Untersuchung umfasst eine qualitative Querschnittstudie mittels halb-strukturierter Interviews unter n=18 Integrationsbeauftragten und Integrationsmanager*innen aus einem deutschen Regionalkreis, welche qualitativ ausgewertet wurden. Die Ergebnisse zeigen auf, dass einige ehrenamtlichen Helfer*innen bei der Arbeit mit Geflüchteten an ihre emotionale und zeitliche Belastungsgrenze kommen. Motivation der Ehrenamtlichen, klare Aufgabenteilung und eine Entlastung bei behördlichen Aufgaben könnten die Ehrenamtlichen in ihrer Hilfstätigkeit bestärken. Zwischen den Behörden und den ehrenamtlichen Helfern? werden ein funktionierender Informationsfluss, Aufgabenteilung und das Vermeiden von Doppelstrukturen als Kernelemente für einen gelingenden und reibungsfreien Arbeitsablauf benannt. Die Sicht von n=116 ehrenamtlichen Helfer*innen aus den Gemeinden desselben Regionalkreises wurde in einem dritten Teilprojekt mittels eines eigens erstellten Fragebogens zu Motivation, Tätigkeit, Belastungen und Koordination erhoben. Die n=121 befragten Ehrenamtlichen übernehmen vorwiegend Patenschaften und unterstützen Geflüchtete bei behördlichen Angelegenheiten. Die Motivation, sich ehrenamtlich zu engagieren, lässt sich durch persönliche Einstellungen zu gesellschaftspolitischen Fragen, religiösen Anschauungen oder besondere Lebenserfahrungen erklären. Die Befragten geben an, dass die ehrenamtliche Tätigkeit ihr Wohlbefinden steigert und dass sie überwiegend Bestätigung, Zuspruch und Dankbarkeit erfahren. Etwa ein Drittel der Befragten fühlt sich emotional belastet, wobei sich Frustration und Ärger über Geflüchtete und bürokratischen Hürden sowie eine mangelhafte Organisation als belastende Faktoren identifizieren lassen. Demgegenüber wirken Lob, Wertschätzung und eine konstruktive Zusammenarbeit mit hauptamtlichen Personen Belastungen entgegen. Das vierten Teilprojekt spiegelt die besondere Situation der ehrenamtlichen Hilfe während der Corona-Pandemie wieder. Hierfür wurde eine prospektive Querschnittsuntersuchung unter den Ehrenamtlichen in denselben Gemeinden mittels einer Online-Fragebogenerhebung durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass es eine deutliche Reduktion der Unterstützung für Geflüchteten von Seiten ehrenamtlicher Helfer*innen gegeben hat, wenngleich ein hohes Maß an Motivation und Eigeninitiative zur Aufrechterhaltung der Hilfeleistungen beigetragen haben. Schließlich verdeutlichen die Ergebnisse der vier Studien, dass Ehrenamtliche Hilfe einen wichtigen Anteil an der Versorgung für Flüchtlingen ausmacht. Anerkennung der ehrenamtlichen Tätigkeit, entlastende Aufgabenteilung, und konstruktive unterstützende Zusammenarbeit sind wichtige Faktoren um die Motivation ehramtlich Tätiger zu erhöhen und psychischer Belastung eben jener entgegen zu wirken. Since 2015, when large numbers of refugees arrived in Germany, the importance of volunteer work in supporting refugees has steadily increased. In many areas, volunteering has become a central component of care, support, and integration services. Although volunteer work lacks a centralized organizational structure or formal ties to public authorities, the interconnection between volunteer efforts and public structures is crucial—both for the successful care of refugees and for the resilience and mental health of the volunteers themselves. The need for effective network structures—characterized by social factors such as communication, transparency, and trust—is counterbalanced by risks that threaten these structures, specifically the psychological strain and secondary traumatization associated with working with refugees. Furthermore, the COVID-19 pandemic and its associated restrictions have added further challenges to the volunteers' work. Little is currently known about the specific dynamics of coordination and collaboration between professional staff and volunteers in refugee aid, or the associated stresses involved in this volunteer work. The aim of this study was therefore to identify the factors contributing to successful coordination and cooperation between professional staff and volunteers. In an initial sub-project, researchers analyzed data on the founding of associations dedicated to refugee aid in Germany; this served as an indicator of the growth in volunteer assistance and allowed for the creation of a nationwide map illustrating where volunteer aid exists and the types of assistance provided. A total of 909 associations engaged in refugee aid were identified nationwide. Of these, 35% were founded after the outbreak of the Syrian Civil War in 2011. In terms of population share, the city-states of Berlin, Hamburg, and Bremen have the highest number of associations focused on providing acute aid to refugees. The density of such associations is above the national average in the western German federal states, whereas it is significantly lower in the eastern German states and Bavaria. Approximately one in five associations offers concrete practical assistance, such as help with administrative procedures or language courses; 22.2% provide indirect aid, such as fundraising or facilitating assistance; and 11.7% foster social connections based on the principle of "integration through encounter." Concrete medical or psychosocial support—for instance, for traumatized refugees—is provided by only 5.9% of the associations. A second sub-project examined the perspectives of full-time professionals regarding coordination and cooperation with volunteers. The study involved a qualitative cross-sectional analysis based on semi-structured interviews with 18 integration officers and managers from a specific German administrative district. The results indicate that some volunteers reach their emotional and time-related limits when working with refugees. Factors such as volunteer motivation, a clear division of tasks, and relief from administrative duties could strengthen volunteers in their efforts. A functioning flow of information, a clear division of tasks, and the avoidance of redundant structures were identified as key elements for successful, smooth workflows between authorities and volunteers. A third sub-project surveyed 116 volunteers from municipalities within the same district using a custom-designed questionnaire covering motivation, activities, burdens, and coordination. The 121 volunteers surveyed primarily act as mentors and assist refugees with administrative matters. Their motivation to volunteer stems from personal attitudes toward socio-political issues, religious beliefs, or specific life experiences. Respondents report that volunteering enhances their well-being and that they predominantly experience validation, encouragement, and gratitude. About one-third of the respondents feel emotionally burdened; identified stressors include frustration and anger regarding refugees and bureaucratic hurdles, as well as poor organization. Conversely, praise, appreciation, and constructive collaboration with professional staff help mitigate these burdens. The fourth sub-project reflects the unique circumstances of volunteer assistance during the COVID-19 pandemic. To this end, a prospective cross-sectional study was conducted among volunteers in the same communities using an online questionnaire. The results indicate a significant reduction in volunteer support for refugees, although a high level of motivation and personal initiative helped sustain assistance efforts. Ultimately, the findings of the four studies demonstrate that volunteer assistance plays a vital role in the support system for refugees. Recognition of volunteer work, a division of labor that alleviates strain, and constructive, supportive collaboration are key factors in boosting volunteer motivation and mitigating the psychological stress experienced by volunteers. [Mit KI übersetzt] |
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| Physical Description: | Online Resource |
| DOI: | 10.11588/heidok.00034622 |