Weber, Sombart und die neuere Kapitalismustheorie

Die Kapitalismusliteratur der letzten drei Jahrzehnte ist von einer eigenartigen Kluft gekennzeichnet. Während sich im Schnittpunkt von Geschichte und Soziologie immer mehr makrostrukturelle Ansätze formiert haben, welche die „lange Dauer“ des Kapitalismus in den Blick nehmen, erweist sich die geg...

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Bibliographic Details
Main Author: Pohlmann, Markus (Author)
Format: Chapter/Article
Language:German
Published: 2006
In: Aspekte des Weber-Paradigmas
Year: 2006, Pages: 169-193
DOI:10.1007/978-3-531-90121-3_8
Online Access:Verlag, lizenzpflichtig, Volltext: https://doi.org/10.1007/978-3-531-90121-3_8
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Author Notes:Markus Pohlmann
Description
Summary:Die Kapitalismusliteratur der letzten drei Jahrzehnte ist von einer eigenartigen Kluft gekennzeichnet. Während sich im Schnittpunkt von Geschichte und Soziologie immer mehr makrostrukturelle Ansätze formiert haben, welche die „lange Dauer“ des Kapitalismus in den Blick nehmen, erweist sich die gegenwärtige kapitalismustheoretische Trendliteratur davon weitgehend abgekoppelt. Nur ganz wenige Autoren bilden heute Brücken zwischen diesen Kristallisationspunkten der kapitalismustheoretischen Diskussion. War die soziologische Kapitalismustheorie in Deutschland immer auch sozio-historisch verankert und ihre Gegenwartsanalysen mit sozio-historischen Erklärungen versehen, so beginnt sich in jüngster Zeit diese Verankerung zu lockern. Dies geschieht paradoxerweise zu einem Zeitpunkt, zu dem sich neue sozio-historische Ansätze mit empirisch vertieften Erklärungen des historischen Phänomens Kapitalismus hervorwagen. Die dadurch entstandene Kluft ist um so erstaunlicher, als in beiden Diskussionsschwerpunkten nahezu gleichlautende Korrekturen an zentralen Prämissen der älteren Kapitalismustheorie, also an Marx’, Webers und Sombarts Ansätzen angebracht werden. Insbesondere wird in beiden Diskussionsschwerpunkten die historische Überholtheit vieler Annahmen der deutschen Kapitalismustheorie vorgeführt. Diese Berührungspunkte wurden aber bislang von beiden Seiten weder beachtet noch von dritter Seite herausgearbeitet1. Die sozio-historischen Arbeiten nehmen trotz vielfacher Anstrengungen, ihre Ergebnisse zu aktualisieren, kaum Bezug auf die gegenwärtige Kapitalismusliteratur, und diese fundiert ihre Diagnosen und Trendannahmen so gut wie nie mit weiter zurückreichenden historischen Befunden.
Item Description:Gesehen am 24.06.2024
Physical Description:Online Resource
ISBN:9783531901213
DOI:10.1007/978-3-531-90121-3_8