Die politische Ökonomie der Bürgergesellschaft: Michael J. Sandels Werk und seine wirtschaftsphilosophische Bedeutung

Diagnose: Der US-amerikanische Philosoph Michael J. Sandel taucht regelmäßig im Diskurs zum Thema der schädigenden Effekte von Märkten auf andere soziale Institutionen innerhalb der Wirtschaftswissenschaften und der Wirtschaftsphilosophie auf. Die Rezeption seines Werkes ist in diesem Zusammenhan...

Ausführliche Beschreibung

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Wehe, Robin (Verfasst von)
Dokumenttyp: Buch/Monographie Hochschulschrift
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Heidelberg 04 Sep. 2025
DOI:10.11588/heidok.00037111
Schlagworte:
Online-Zugang:Resolving-System, kostenfrei: https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:16-heidok-371112
Resolving-System, kostenfrei: https://doi.org/10.11588/heidok.00037111
Verlag, kostenfrei, Volltext: http://www.ub.uni-heidelberg.de/archiv/37111
Resolving-System, kostenfrei: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:16-heidok-371112
Langzeitarchivierung Nationalbibliothek, kostenfrei: https://d-nb.info/1375614010/34
Volltext
Verfasserangaben:vorgelegt von: Robin Wehe ; Erstgutachter: Prof. Dr. Oliver Schlaudt
Beschreibung
Zusammenfassung:Diagnose: Der US-amerikanische Philosoph Michael J. Sandel taucht regelmäßig im Diskurs zum Thema der schädigenden Effekte von Märkten auf andere soziale Institutionen innerhalb der Wirtschaftswissenschaften und der Wirtschaftsphilosophie auf. Die Rezeption seines Werkes ist in diesem Zusammenhang jedoch unvollständig, da seine These nicht hinreichend interpretiert wird. Erkenntnisleitende These: Sandels neuere Werke zur Wirtschaft sind vor allem vor dem Hintergrund seiner Liberalismuskritik zu deuten. Durch eine Relektüre früherer Werke zeigen sich die unterschwelligen theoretischen Annahmen, die in seinen neueren Werken mitschwingen. Dadurch zeigt sich eine bisher nicht gesehene Komponente der Thesen Sandels zur Wirtschaft: Während die Rezeption von Sandels Thesen den Fokus insbesondere auf einen empirisch überprüfbaren Aspekt der Marktmechanismen legt, steht bei ihm viel eher ein staatsbürgerliches Moment im Vordergrund, das er die politische Ökonomie der Bürgergesellschaft nennt. Projektziel: Durch eine Neuauslegung von Teilen seines Werks soll einerseits die Rezeption Sandels korrigiert werden, andererseits erneut kritisch überprüft werden, ob Sandels Thesen einen aussichtsreichen Beitrag für die Wirtschaftsphilosophie im Allgemeinen und die Frage nach den schädigenden Effekten von Märkten im Speziellen bieten können. Ergebnisse: Sandels Thesen zur Moralerosion durch Märkte erscheinen durch die Relektüre in einem neuen Licht. Die Aussagen zur These der schädigenden Effekte von Märkten müssen deshalb anders als im aktuellen Diskurs interpretiert werden. Sandel legt den Fokus nicht im Wesentlichen auf einen vermeintlich dysfunktionalen Effekt von Märkten auf andere Institutionen, sondern stellt die Inkompatibilität bestimmter Denkmuster und gesellschaftlicher Ordnungsstrukturen in den Vordergrund. Dabei soll die von ihm diagnostizierte gesellschaftliche Schlagseite hin zur marktwirtschaftlichen Denk- und Organisationsform durch gelebte Demokratie korrigiert werden. Hierbei hebt er primär die im Alltag gelebte Demokratie hervor, die über staatliche Institutionen hinausgeht und im Begriff der Bürgertugend [civic virtue(s)] ihre Ausformulierung findet. Vom Republikanismus beeinflusst schwebt ihm dabei nicht weniger vor als eine am Gemeinwohl orientierte Bürgergesellschaft, die sich durch demokratische Teilhabe in allen Lebensbereichen ausdrückt. Als Beitrag für die Wirtschaftsphilosophie schafft es Sandel somit auf einen Aspekt hinzuweisen, der gegenüber den derzeitigen Wirtschaftswissenschaften eine alternative Art über Wirtschaft zu denken vorschlägt. Als Sensibilisierung zur Kultivierung eines demokratischen Ethos in möglichst vielen Lebensbereichen erfüllt seine Theorie seinen Zweck. Dies gilt auch für den Bereich der Wirtschaft und der Frage nach den negativen Effekten von Märkten auf andere soziale Institutionen. Für die Wirtschaftswissenschaften, die Wirtschaftsphilosophie oder gar die wirtschaftliche Praxis sind ihre Wirkungsmöglichkeiten zwar vorhanden, jedoch begrenzt.
Diagnosis: The American philosopher Michael J. Sandel frequently features in discussions within economics and economic philosophy regarding the damaging effects markets have on other social institutions. However, the reception of his work in this context remains incomplete, as his thesis has not been adequately interpreted. Guiding Thesis: Sandel’s more recent works on the economy must be understood primarily against the backdrop of his critique of liberalism. A re-examination of his earlier works reveals the underlying theoretical assumptions that resonate in his later writings. This uncovers a previously overlooked aspect of Sandel’s arguments concerning the economy: while the reception of his work often focuses on the empirically verifiable aspects of market mechanisms, Sandel himself prioritizes a civic dimension—what he terms the "political economy of civic society." Project Objective: By reinterpreting parts of his work, the project aims to correct the prevailing reception of Sandel and to critically reassess whether his arguments offer a promising contribution to economic philosophy in general, and to the issue of the damaging effects of markets in particular. Results: A re-examination casts Sandel’s arguments regarding the erosion of morality caused by markets in a new light. Consequently, his claims concerning the damaging effects of markets require an interpretation that differs from the one dominant in current discourse. Sandel does not focus primarily on a supposedly dysfunctional impact of markets on other institutions; instead, he highlights the incompatibility between certain modes of thought and societal organizational structures. He proposes correcting the societal imbalance—characterized by a shift toward market-based thinking and organization—through the practice of active democracy. In doing so, he primarily highlights democracy as practiced in everyday life—a form that extends beyond state institutions and finds its expression in the concept of civic virtue. Influenced by republicanism, he envisions a civil society oriented toward the common good, characterized by democratic participation across all spheres of life. As a contribution to the philosophy of economics, Sandel thus draws attention to an aspect that offers an alternative way of thinking about the economy compared to current economic science. His theory succeeds in fostering awareness of the need to cultivate a democratic ethos in as many areas of life as possible. This holds true for the economic sphere as well, particularly regarding the question of how markets negatively affect other social institutions. However, while there is potential for his ideas to influence economics, the philosophy of economics, and even economic practice, that potential remains limited. [Mit KI übersetzt]
Beschreibung:Online Resource
DOI:10.11588/heidok.00037111