Der Gewalt auf der Spur: die Evaluation eines rechtsmedizinisch-kriminalistischen Triage-Instruments an zwei deutschen Polizeihochschulen

Hintergrund: Die adäquate Versorgung von Gewaltopfern stellt sowohl die Strafverfolgungsbehörden als auch das Gesundheitswesen vor vielfältige Herausforderungen. Für die forensische Versorgungsqualität sind u. a. die frühzeitige Detektion und die gerichtsverwertbare Dokumentation der Gewaltfol...

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Main Authors: Grasmann, David (Author) , Feld, Katharina (Author) , Yen, Kathrin (Author)
Format: Article (Journal)
Language:German
Published: 19. Mai 2025
In: Rechtsmedizin
Year: 2025, Pages: 1-7
ISSN:1434-5196
DOI:10.1007/s00194-025-00766-4
Online Access:Verlag, kostenfrei, Volltext: https://doi.org/10.1007/s00194-025-00766-4
Verlag, kostenfrei, Volltext: https://link.springer.com/article/10.1007/s00194-025-00766-4
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Author Notes:David Grasmann, Katharina Feld, Kathrin Yen
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Summary:Hintergrund: Die adäquate Versorgung von Gewaltopfern stellt sowohl die Strafverfolgungsbehörden als auch das Gesundheitswesen vor vielfältige Herausforderungen. Für die forensische Versorgungsqualität sind u. a. die frühzeitige Detektion und die gerichtsverwertbare Dokumentation der Gewaltfolgen von zentraler Bedeutung. Die Studie greift dafür auf ein, bereits 2022 durch den Erstautor entwickeltes, kriminalistisches Triage-Instrument zu Detektion und Kategorisierung von Gewaltopfern zurück. Forschungsfrage: Wie lassen sich die Detektion von Gewaltdelikten durch die Polizei verbessern und zugleich die Einbeziehung der Rechtsmedizin in die Frühphase des Ermittlungsverfahrens wissenschaftlich fundiert standardisieren? Material und Methoden: Prospektive Datenerhebung in Form einer kontrollierten Online-Umfrage mit Vignettenexperimenten an zwei deutschen Polizeihochschulen mit insgesamt 63 Studierenden, aufgeteilt in eine Test- und eine Kontrollgruppe. Die Vignetten wurden orientiert an Sachverhalten aus der forensischen Routine erstellt.Ergebnisse: Es zeigten sich große Unterschiede in der Vermittlung rechtsmedizinischer Inhalte im Rahmen des Studiums und der polizeilichen Ausbildung zwischen den beiden beteiligten Hochschulen. Die Anwendung eines Triage-Instruments führte zu einer zuverlässigen Detektion von einschlägigen Straftatbeständen und bei der Testgruppe zu einer zum Teil (z. T.) signifikant höheren Einbeziehungsquote der Rechtsmedizin in das Ermittlungsverfahren (statistisch bestätigt mittels Exaktem Fisher-Test). Zumindest rudimentäre rechtsmedizinische Kenntnisse und Einsatzerfahrung wirkten sich in dem Experiment dabei allgemein positiv auf die Qualität der polizeilichen Ersteinschätzung aus. Diskussion: Die flächendeckende Anwendung eines standardisierten Kriterienkatalogs könnte zu einer verbesserten Detektion von Gewaltdelikten durch die ersteintreffenden Polizeikräfte beitragen. Eine gesteigerte und vor allem (v. a.) frühzeitigere Einbeziehung der Rechtsmedizin in die polizeilichen Ermittlungen, insbesondere bei komplexen und schwerwiegenden Gewaltdelikten, kann den Verfahrensverlauf positiv beeinflussen.
Background: Adequate care for victims of violence presents diverse challenges for both law enforcement agencies and the healthcare system. For the quality of forensic care,early detection and court-admissible documentation of the consequences of violence are paramount. For this purpose, the study uses a criminalistic triage instrument for the detection and categorization of victims of violence, which was developed by the first author in 2022. Research question: How can the detection of violent crimes by the police be improved while simultaneously scientifically standardizing the involvement of forensic medicinein the early phase of the investigation process? Materials and methods: Prospective data were collected in the form of a controlled online survey with vignette experiments at two German police universities with a total of 63 students, divided into a test and a control group. The vignettes were created based on scenarios from forensic routine. Results: There were significant differences in the teaching of forensic medical content within the study programs and police training at the two participating academies. The use of a triage instrument led to a reliable detection of relevant criminal offenses and, in the test group, to a partially significant increase in the involvement of forensic medicine in the investigation process (statistically confirmed using Fisher’s exact test). Even rudimentary forensic medical knowledge and operational experience had a generally positive effect on the quality of the initial forensic assessment in the experiment. Conclusion: The widespread application of a standardized set of criteria could contribute to improved detection of violent crimes by the first-responding police forces. Increased and, above all, earlier involvement of forensic medicine in police investigations, especially in complex and serious violent crimes, can positively influence the course of proceedings.
Item Description:Veröffentlicht online: 19. Mai 2025
Gesehen am 20.10.2025
Physical Description:Online Resource
ISSN:1434-5196
DOI:10.1007/s00194-025-00766-4