Soziale Netzwerke im Sportunterricht - theoretische Konzeptualisierung und empirische Befunde zu Mustern von Peerbeziehungen

Der Sportunterricht konstituiert für Schüler:innen einen sozialen Erfahrungsraum, der sich durch eine hohe körperliche Exponiertheit, eine besondere Dynamik spontaner Peerinteraktionen, spezifische räumlich-strukturelle Gegebenheiten sowie durch fachspezifische curriculare Anforderungen auszeich...

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Bibliographische Detailangaben
1. Verfasser: Schüßler, Annabell (Verfasst von)
Dokumenttyp: Buch/Monographie Hochschulschrift
Sprache:Deutsch
Veröffentlicht: Heidelberg 15 Dez. 2025
DOI:10.11588/heidok.00037794
Schlagworte:
Online-Zugang:Resolving-System, kostenfrei: https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:16-heidok-377946
Resolving-System, kostenfrei: https://doi.org/10.11588/heidok.00037794
Verlag, kostenfrei, Volltext: http://www.ub.uni-heidelberg.de/archiv/37794
Volltext
Verfasserangaben:vorgelegt von Annabell Schüßler ; Betreuer: Prof. Dr. Rüdiger Heim
Beschreibung
Zusammenfassung:Der Sportunterricht konstituiert für Schüler:innen einen sozialen Erfahrungsraum, der sich durch eine hohe körperliche Exponiertheit, eine besondere Dynamik spontaner Peerinteraktionen, spezifische räumlich-strukturelle Gegebenheiten sowie durch fachspezifische curriculare Anforderungen auszeichnet. Gleichwohl wurden soziale Beziehungen im Sportunterricht in der sportpädagogischen Forschung bislang überwiegend durch generische Modelle operationalisiert, die primär auf globalen Urteilen über die gesamte Klassengemeinschaft beruhen. Vor diesem Hintergrund hat die vorliegende Dissertationsschrift das Ziel, soziale Beziehungen im Sportunterricht zunächst theoretisch zu konzeptualisieren und empirisch zu untersuchen, um zu klären, welche peerkulturellen und fachspezifischen Normen die Ausprägung unterschiedlicher Arten von Peerbeziehungen im Unterricht determinieren. Im Rahmen der ersten Studie (N=205) wurde empirisch gezeigt, dass sich soziale Netzwerke im Sportunterricht von jenen in kognitiv-akzentuierten Fächern wie dem Mathematikunterricht unterscheiden und diese auch innerhalb der Fachdomäne kontextspezifisch geprägt sind. In der zweiten Studie (N=205, Datensatz aus Studie I) wurde mithilfe der Multiplen Korrespondenzanalyse (MCA) untersucht, welche Arten von Beziehungen sich zwischen Schüler:innen mit welchen Eigenschaften bilden und wie unterschiedliche Beziehungsarten miteinander verknüpft sind. Aus den Analysen ergab sich, dass das Interesse an Kooperationen in Sport und Mathematik in engem Zusammenhang mit affektiven Bindungen steht, aber auch mit Schulnoten und zugeschriebener Fähigkeit in den jeweiligen Fächern. Zudem wurde identifiziert, dass Schüler:innen nicht mit Mitschüler:innen kooperieren wollen, die sie nicht mögen. Affektive Bindungen wie Sympathie und Freundschaften werden überwiegend zwischen gleichgeschlechtlichen Schüler:innen geknüpft und entstehen häufig im Umfeld gemeinsamer Aktivitätsfoki wie beispielsweise der Nachbarschaft. Die dritte Studie (N=364) analysierte mittels Exponential Random Graph Models (ERGMs) die Rolle motivationaler Zielorientierungen für die Wahl von Teampartner:innen für Sportspiele im Sportunterricht. Die Ergebnisse zeigen, dass Schüler:innen im Sportunterricht bevorzugt mit Peers kooperieren möchten, die ähnliche Ausprägungen in ihren motivationalen Zielorientierungen aufweisen. Zudem ziehen sie ihre Freund:innen vor und wählen häufig Partner:innen gleichen Geschlechts. Überdies werden Jungen häufiger gewählt als Mädchen. Werden Freund:innen nicht ausgewählt, neigen Schüler:innen dazu, solche Peers als Kooperationspartner:innen zu wählen, die eine stärker ausgeprägte Zielorientierung aufweisen, insbesondere im Hinblick auf Ziele, die auf das Gewinnen ausgerichtet sind. Schließlich ermittelte die vierte Studie (N=302, Teildatensatz aus Studie III) die Peereinschätzung sportlicher Leistungsfähigkeit als entscheidenden Prädiktor für den sozialen Status im sportunterrichtlichen Sportspiel. Im Gegensatz dazu spielen Lehrkraft- oder Selbsturteile eine geringere Rolle für die Netzwerkposition im Sportunterricht. Bilanzierend verdeutlichen die Ergebnisse, dass soziale Beziehungen im Sportunterricht komplexen, kontextspezifischen Regeln folgen und durch individuelle Merkmale wie sportliche Leistungswahrnehmungen, Zielorientierungen und affektive Beziehungen sowie dem Geschlecht geprägt werden. Die Ergebnisse veranschaulichen die Komplexität sozialer Dynamiken im Sportunterricht, insbesondere im Hinblick auf die Bildung von Teams oder Lerngruppen. Dabei wird deutlich, dass die Zusammensetzung von Gruppen stets im Spannungsfeld zwischen persönlichen Beziehungen und leistungsorientierten Zielsetzungen steht.
Physical education constitutes a social space for students characterized by a high degree of physical exposure, the unique dynamics of spontaneous peer interactions, specific spatial-structural conditions, and subject-specific curricular requirements. Nevertheless, research in sports pedagogy has predominantly operationalized social relationships in physical education using generic models based primarily on global assessments of the class as a whole. Against this backdrop, this dissertation aims to conceptually define and empirically investigate social relationships in physical education to clarify which peer-cultural and subject-specific norms determine the formation of various types of peer relationships during lessons. The first study (N=205) empirically demonstrated that social networks in physical education differ from those in cognitively oriented subjects like mathematics and are shaped by specific contextual factors within the subject domain itself. The second study (N=205, using the dataset from Study I) employed Multiple Correspondence Analysis (MCA) to examine the types of relationships formed between students with specific characteristics and to explore the interconnections between these relationship types. The analyses revealed that the interest in cooperation—in both physical education and mathematics—is closely linked to affective bonds, as well as to academic grades and perceived competence in the respective subjects. Furthermore, the study identified that students are unwilling to cooperate with classmates they dislike. Affective bonds, such as liking and friendship, are predominantly formed between students of the same gender and often arise within shared activity contexts, such as the neighborhood. The third study (N=364) used Exponential Random Graph Models (ERGMs) to analyze the role of motivational goal orientations in the selection of team partners for sports games in physical education. The results show that students in physical education prefer to cooperate with peers who exhibit similar levels of motivational goal orientation. Furthermore, they prefer their friends and frequently choose same-sex partners. Moreover, boys are selected more often than girls. When friends are not chosen, students tend to select peers with a stronger goal orientation as cooperation partners, particularly regarding goals focused on winning. Finally, the fourth study (N=302, a subset of the data from Study III) identified peer assessments of athletic competence as a crucial predictor of social status within sports games in physical education. In contrast, teacher assessments or self-assessments play a lesser role regarding network position in physical education. Overall, the results demonstrate that social relationships in physical education follow complex, context-specific rules and are shaped by individual characteristics—such as perceptions of athletic competence, goal orientations, affective relationships, and gender. The findings illustrate the complexity of social dynamics in physical education, particularly regarding the formation of teams or learning groups. They highlight that group composition always involves a tension between personal relationships and performance-oriented objectives. [Mit KI übersetzt]
Beschreibung:Online Resource
DOI:10.11588/heidok.00037794