Kommunalfinanzen und AfD-Wahlerfolg im regionalen Vergleich am Beispiel Thüringen
Der Text untersucht, wie regionale Disparitäten, kommunale Finanzen und der Wahlerfolg der AfD in Thüringen zusammenhängen. Ausgangspunkt ist die zunehmende räumliche Ungleichheit in Deutschland, die besonders ostdeutsche Regionen betrifft und vielfach mit politischer Unzufriedenheit korreliert...
Gespeichert in:
| Hauptverfasser: | , |
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| Dokumenttyp: | Kapitel/Artikel |
| Sprache: | Deutsch |
| Veröffentlicht: |
2026
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| In: |
Krisen ländlicher Räume
Year: 2026, Pages: 255-272 |
| Online-Zugang: |
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| Verfasserangaben: | Johanna Mutscheller & Susann Schäfer |
| Zusammenfassung: | Der Text untersucht, wie regionale Disparitäten, kommunale Finanzen und der Wahlerfolg der AfD in Thüringen zusammenhängen. Ausgangspunkt ist die zunehmende räumliche Ungleichheit in Deutschland, die besonders ostdeutsche Regionen betrifft und vielfach mit politischer Unzufriedenheit korreliert. Thüringen zeichnet sich durch deutliche demographische Schrumpfung, wirtschaftliche Unterschiede zwischen Zentren und ländlichen Gebieten sowie politische Polarisierung aus, was sich etwa im AfD-Ergebnis von 32,8 % bei der Landtagswahl 2024 zeigt. Zur theoretischen Einordnung nutzt der Beitrag das Konzept der left behind places, das Regionen beschreibt, die sich durch Strukturwandel, Abwanderung und infrastrukturellen Verlust abgehängt fühlen. Solche objektiven und subjektiven Benachteiligungserfahrungen stehen laut Forschung häufig im Zusammenhang mit rechtspopulistischem Wahlverhalten. Kommunalfinanzen wurden in bisherigen Studien jedoch kaum berücksichtigt, weshalb der Beitrag diese Dimension explizit einbezieht. Methodisch wird ein Peripherisierungsindex entwickelt, der zwölf demographische, wirtschaftliche, infrastrukturelle und sozialräumliche Variablen umfasst. Mittels Faktoranalyse entstehen vier Tendenzen: infrastrukturelle Peripherisierung, sozioökonomische Peripherisierung, demographische Alterung sowie demographische Entwicklung (Wachstum). Aus den gewichteten Faktorwerten wird ein Index für alle Thüringer Gemeinden berechnet. Die Ergebnisse zeichnen ein deutliches räumliches Muster: Zentralisierungstendenzen konzentrieren sich auf Mittelthüringen, während Nord-, Süd- und Ostthüringen stärker peripher geprägt sind. Statistisch zeigt sich ein Zusammenhang zwischen Peripherisierung und Steuerkraft – je peripherer eine Gemeinde, desto niedriger ihre fiskalischen Ressourcen. Ebenso besteht ein Zusammenhang zwischen Peripherisierung und AfD-Stimmanteilen. Die Varianz bleibt jedoch gering, sodass Peripherisierung nur ein Teil der Erklärung für politische Präferenzen ist. Der direkte Zusammenhang zwischen Steuerkraft und AfD-Wahlerfolg fällt hingegen schwächer aus. In der Diskussion wird betont, dass Peripherisierung strukturell und subjektiv wirkt und politische Polarisierung begünstigen kann. Die gefundenen Modellwerte zeigen jedoch, dass viele weitere Faktoren – etwa Vertrauen in Politik, regionale Identität oder lokale Dynamiken – eine Rolle spielen. Der Ausblick empfiehlt deshalb, den Peripherisierungsindex zeitlich auszuweiten, subjektive Wahrnehmungen stärker einzubeziehen und umfassende Soziostrukturelle und transformative Perspektiven re multivariate Analysen durchzuführen. Insgesamt verdeutlicht der Beitrag, dass räumliche Benachteiligung, finanzielle Schwäche und AfD-Unterstützung miteinander verknüpft sind, aber nur im Zusammenspiel weiterer Faktoren erklärt werden können. |
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| Beschreibung: | Online Resource |
| ISBN: | 9783839402924 |