Neurodiversität und Autismus: eine kritische Auseinandersetzung mit einem populären Konzept

Zusammenfassung: Unter Neurodiversität wird die natürliche Vielfalt menschlichen Seins verstanden und damit die natürliche Bandbreite der Unterschiede zwischen Menschen betont. So einfach wie überzeugend und populär diese Annahme ist, so verschieden sind die Auslegungen und Implikationen. In di...

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Auteur principal: Kamp-Becker, Inge (Auteur)
Format: Article (Journal)
Langue:allemand
Publié: 12.06.2026
In: Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie
Year: 2026, Pages: 1-15
ISSN:1664-2880
Accès en ligne:Verlag, kostenfrei, Volltext: https://econtent.hogrefe.com/doi/10.1024/1422-4917/a001081
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Notes sur l'auteur:Ingeborg Kamp-Becker
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Résumé:Zusammenfassung: Unter Neurodiversität wird die natürliche Vielfalt menschlichen Seins verstanden und damit die natürliche Bandbreite der Unterschiede zwischen Menschen betont. So einfach wie überzeugend und populär diese Annahme ist, so verschieden sind die Auslegungen und Implikationen. In diesem Artikel wird auf die wissenschaftliche Fundierung des Konzepts sowie auf die Thematik des Autismus im Sinne von Divergenz fokussiert. Es werden die Implikationen in Bezug auf biologische Determiniertheit, Identität, Auswirkungen auf Diagnostik und Therapie dargestellt, sowie auf die sich aus dem Konzept ergebenden Forderungen eingegangen und kritisch reflektiert. Zusammenfassend lässt sich nach Einschätzung der Autorin zu den Implikationen sagen, dass die im Sinne der Neurodivergenz angenommene „neurologische Differenzbehauptung“ in der behaupteten grundlegenden, angeborenen Verschiedenartigkeit und gleichzeitig spezifischen Funktionsweise sowie deren Determinierung für die Identität einer Person durch empirische Forschung nicht ausreichend belegt ist. Neurodiversität ist ein wichtiger Ansatz, um Stigmatisierung zu reduzieren und Akzeptanz für Andersartigkeit zu fördern, jedoch sollte die Vielfalt nicht durch neue Stereotypien eingeschränkt werden, und In-Group-Out-Prozesse sind im Sinne von Akzeptanz, Offenheit und Toleranz nicht hilfreich. Diagnosen zu instrumentalisieren im Sinne einer Identitätsfindung, -stabilisierung und Berechtigung für Andersartigkeit lässt daran zweifeln, dass eine wertschätzende Haltung gegenüber denen eingenommen wird, deren Defizite, eingeschränkte Verhaltens- und Entwicklungsmöglichkeiten, Leid und Beeinträchtigung, die Diagnosen beschreiben.
Description:Online veröffentlicht: 12.06.2026
Gesehen am 03.09.2026
Description matérielle:Online Resource
ISSN:1664-2880